Marianne Meier-Rutishauser, Rutishauser – Blumenproduzent


«Nach Corona wird die Welt eine andere sein»


Frau Meier-Rutishauser, was bedeutet der Lockdown für Sie als Blumenproduzentin?
Im ersten Augenblick haben wir leer geschluckt. Im Frühling produzieren wir rund 4 Millionen Tulpen. Diese sind zwar so angepflanzt, dass sie in unterschiedlichen Wochen blühen. Aber das tun sie natürlich auch dann, wenn der Vertrieb einbricht. Nun, wir haben uns so gut wie möglich auf die neue Situation eingestellt und tun unser Bestes, um den Schaden zu reduzieren, auch für unsere Mitarbeitenden und Kunden.


Mittlerweile dürfen Sie ja z.B. Börsen beliefern und online verkaufen. Problem gelöst?
Es ist ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber ich bin dankbar, dass es uns so gelingt, wenigstens einen Teil unserer Schnittblumen zu vertreiben. Die Blumengeschäfte sind geschlossen, zudem fehlen uns die Grossverteiler. Zum Glück können wir einen Teil via Blumenbörsen und FleuropHome verkaufen. Zudem hatten einige Grossfirmen die Idee, ihren Aktionären wegen der abgesagten GV Tulpen zu schenken. Solche Aktionen sind grossartig für uns. Es ist zwar eine Riesenarbeit, aber es motiviert einen, durchzuhalten. Leider reichen diese Abnehmer nicht. Wir müssen immer wieder grosse Mengen Schnittblumen entsorgen. Da blutet einem das Herz schon.


Wie haben Ihre Mitarbeiter reagiert? Konnten Sie alle weiterbeschäftigen?
Das war leider nicht möglich. Normalerweise haben wir an die 200 Mitarbeitende. Einen Teil konnten wir weiterbeschäftigen, ein Teil arbeitet temporär und für einen Teil haben wir Kurzarbeit angemeldet. Erfreulicherweise ist es uns gelungen, einige unsere Mitarbeitenden in die Landwirtschaft zu vermitteln. Dort fehlen derzeit Leute. Und zum Glück sind wir ein gutes Team. Die Mitarbeitenden sind verständnisvoll und hilfsbereit und liefern sogar hilfreiche Ideen. Dafür bin ich wirklich dankbar.

Produzieren Sie ausschliesslich Tulpen?
Unsere Produktion ist je nach Jahreszeit unterschiedlich. Zurzeit machen Tulpen den grössten Anteil aus. Aber natürlich haben wir auch Frühlingspflanzen wie Primeln und Ranunkeln, sowie Hortensien. Bald werden die Geranien verkaufsbereit sein, und etwas später natürlich der ganze Sommerflor für Balkon und Terrasse. Die Geranien sind eines unserer Sorgenkinder. Jetzt können wir nur auf den Online-Handel unseres eigenen Blumengeschäfts hoffen.

Was sind Ihre grössten Herausforderungen?
Eine unserer grössten Herausforderungen derzeit ist die Planbarkeit. Wir arbeiten mit lebenden Pflanzen. Um keine grossen Produktionslücken zu generieren, müssen wir uns jetzt auf die Zeit vorbereiten, in der wir zur Normalität zurückkehren können. Das heisst, jetzt muss gepflanzt werden, was im Sommer eventuell von den Kunden nachgefragt wird. Die Pflanzen benötigen natürlich ihre Zeit, um zu wachsen. Da niemand weiss, ob die Krise bis dahin überstanden ist, bedeutet dies ein grosses Risiko für die ganze Unternehmung.

Was macht Rutishauser für die Sicherheit seiner Mitarbeitenden?
Wo möglich, haben diese auf Home-Office umgestellt. Wer hier arbeitet, ist entsprechend den Anforderungen des BAG geschützt. Meist sitzt der Mitarbeitende allein im Büro, die Pausen werden gestaffelt gemacht. Wir sind da sehr penibel. Was übrigens das Home-Office anbelangt, so haben wir festgestellt, dass dies die Kommunikation und damit auch die Zusammenarbeit eher erschwert. Besonders in Krisenzeiten belastet das die Arbeit zusätzlich. Aber ich sehe natürlich den Sinn durchaus ein.

Welche Eigenschaften braucht Ihrer Meinung ein Unternehmer jetzt?
Zuversicht, Freude und Durchhaltewillen. Wir alle sind gefordert, das Beste aus unserer Situation zu machen.

Wie reagieren Ihre Kunden auf die neue Situation?
Wir erhalten viele Mails und Briefe. Es ist viel Herzlichkeit und Verbundenheit zu spüren.

Was erhoffen Sie sich von der nächsten Zukunft?
Dass wir gesund bleiben … und dass wir dieser Krise auch etwas Positives abgewinnen. Ich glaube, dass die Welt nach Corona eine andere sein wird. Viele werden vielleicht etwas geerdeter sein und entschleunigen. Das lässt auch hoffen.

Frau Meier-Rutishauser, wir danken für das Gespräch.

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