Albin Wismer, Bluemenlaube


«Weitsicht, gute Planung und ein solidarisches Team»


Herr Wismer, wie haben Sie auf den Lockdown reagiert?
Ich habe mir schon im Vorfeld gedacht, dass der Lockdown kommen wird. Denn in anderen Kantonen war er bereits Wirklichkeit.

Deshalb habe ich mit den Börsen rechtzeitig abgeklärt, ob diese geöffnet bleiben und schon am Montag angefangen, Lager abzubauen. Ich habe damals auf alle Produkte 50% Rabatt gewährt.
Auf Selbstbedienung habe ich von allem Anfang an verzichtet.

Wie haben die Kunden reagiert?
Die konnten ihr Glück kaum fassen und haben eingekauft, was das Zeug hielt. An diesem Montag hatte ich jedenfalls 180 Kunden im Geschäft.


Wie haben Sie sich sonst noch vorbereitet?
Ich habe mir überlegt, wie ich den Lockdown an den Eingangstüren kommuniziere und auf dem Netz. Zudem habe ich schon mal darüber nachgedacht, wie ich das mit dem Personal halten will. Eigentlich habe ich schon damals daran geglaubt, dass Lieferungen – vor allem natürlich von Fleurop - weiterhin erlaubt sein werden. Und ich war auch sehr zuversichtlich, dass das zu vielen Aufträgen führen wird. Vorsorglich habe ich jedoch trotzdem Kurzarbeit angemeldet. Wenn es aber so weiter geht wie bisher, werde ich sie kaum brauchen.

Wie haben die Mitarbeitenden reagiert?
Da sie ihre Jobs kaum bedroht sahen und die vorgeschriebenen Massnahmen bei uns eingehalten werden, blieben sie entspannt und sind solidarisch. Die Auszubildende und die Aushilfen habe ich zwar gebeten, im Moment zu Hause zu bleiben. Aber für die anderen habe ich zurzeit mehr als genug Arbeit. Zudem habe ich schon vor einiger Zeit zwei Mitarbeitende auf Anfang April eingestellt. Die haben ihre Arbeit plangemäss angefangen, wenn auch mit reduziertem Pensum.

Was für Aufträge haben Sie zurzeit?
Fleurop-Aufträge natürlich, dann aber auch Aufträge, die über meinen eigenen Webshop reinkommen oder von Kunden, die uns anrufen. Unser Webshop ist eigentlich schon immer gut gelaufen. Das hat jetzt einfach nochmals zugenommen. Und Stammkunden rufen natürlich lieber an. Auch die Daueraufträge von Firmen, die nicht geschlossen sind, laufen weiter wie bisher.

Wie reagieren Ihre Kunden?
Die finden es toll, dass wir weiterhin liefern und bestellen mehr Blumen als sonst: Für die Familie, für Nachbarn, Freunde und Verwandte.
Es ist wirklich eindrücklich zu sehen, wie gut Blumen auch in schwierigen Zeiten ankommen.

Wie organisieren Sie Ihr Geschäft?
Ich habe einen Betrieb total geschlossen und operiere vom andern Geschäft aus. Das ist genügend gross, dass die vorgeschriebenen Distanzen eingehalten werden können. Zudem sind auf diese Weise auch Übersicht und Zusammenarbeit besser gegeben.

Wo kaufen Sie ein?
Da hat sich eigentlich kaum etwas verändert. Nach einem Unterbruch von 1-2 Wochen liefert jetzt sogar Italien wieder. An sich berücksichtige ich aus Solidarität die gleichen Partner wie vor der Corona-Krise. Punkto Herkunftsländer stammt jetzt aber wegen der Jahreszeit immer mehr aus der Schweiz, das ist klar.

Haben Sie Kontakt zu anderen Geschäftsinhabern?
Ich stand schon vor der Pandemie im regelmässigen Austausch mit meinen Berufskollegen. Das bringt viel. Daran hat sich auch jetzt nichts geändert.

Was sind Ihrer Meinung die grössten Herausforderungen?
Man muss einfach alles besser überlegen und durchplanen. Es braucht jetzt viel Struktur, weil doch alles ein wenig anders abläuft und auch viel Unerwartetes passiert. Da braucht es viel Organisation, damit man genügend Luft für «Feuerwehrübungen» hat. Zudem brauchen Mitarbeitende auch freie Zeit, um sich zu erholen. Das will ebenfalls eingeplant sein. Wir haben jetzt z.B. beschlossen, telefonische Aufträge nur morgens bis 12 Uhr entgegenzunehmen. Aber so funktioniert es gut. Wir haben wirklich keine Probleme.

Was meinen Sie: Welche Eigenschaften braucht ein Unternehmer jetzt?
Weitsicht, finanzielle Reserven und ein gutes, solidarisches Team. Zudem darf man den Kopf nicht in den Sand stecken … aber das gilt nicht nur jetzt. Das bedeutet natürlich auch, dass man als Geschäftsinhaber allfällige Probleme nicht auf dem Rücken seiner Mitarbeitenden austrägt.

Was erhoffen Sie sich von der nächsten Zukunft?
Dass dieser Spuk möglichst bald vorbei ist und das Geschäft wieder normal weiterläuft. All die Leute, die jetzt zu Hause sitzen und nicht nach Lust und Laune einkaufen können, werden ein enormes Nachholbedürfnis verspüren. Dies umso mehr, als sie in dieser Zeit ja auch nicht ausgehen dürfen. Da spart man meist wirklich Geld. Das steht also nachher zur Verfügung.

Wie steht’s mit dem Muttertag?
Ich glaube eigentlich nicht, dass die Geschäfte dann noch geschlossen sein werden. Aber wenn, dann werden wir auch das hinbekommen.

Herr Wismer, ich danke Ihnen für dieses optimistische Interview.

>> Zu allen Interviews


Nach oben