Sprache der Blumen
Eine „Blumensprache“ gibt es tatsächlich. Sie stammt vermutlich
aus Persien und gelangte von dort in die Paläste der mittelalterlichen
Sultane. Nach Europa kam sie durch die Briefe der englischen Aristokratin
Lady Mary Wortley Montagu. Diese lebte von1716 bis 1718 in Istanbul
und erlangte als Ehefrau des englischen Botschafters Zutritt zu
Harems.
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Dort entdeckte sie unter anderem die Kommunikation
via Blüten, denn die Haremsfrauen verstanden es vortrefflich,
sich mit Blumen auszudrücken. In der Türkei hiess die „Blumensprache“
allerdings Selam. Dieses Wort war vom türkischen Selamlik
abgeleitet, das den von Männern bewohnten, öffentlich zugänglichen
Teil des türkischen Hauses bezeichnete.
Die türkische Blumensprache Selam war sehr komplex. Denn um
möglichst präzise zu sein, ging es nicht nur um die Art und
Farbe der Blumen, sondern auch um deren Anzahl im Strauss,
das Alter der Blüten und darum, wie und mit welchen anderen
sie in der Vase kombiniert wurden. Gelang es, war die Botschaft
allerdings erstaunlich präzise und gestattete es, nicht nur
Leidenschaft, Liebe, Freundschaft und Verabredungen damit
auszudrücken, sondern auch kleine Geheimnisse oder sogar Vorwürfe
zu formulieren. |
Mit anderen Worten: Wenn sich eine Haremsdame ärgerte, schlug
sie keinen Krach, sondern arrangierte einfach die Blumen um!
Das erste Buch über die Blumensprache stammt allerdings aus Frankreich.
Dort nämlich veröffentlichte 1819 eine gewisse Charlotte de Latour
ein Werk, in dem sie die Bedeutung der verschiedenen Blumen auflistete.
Danach bedeuteten Astern z. B. „Hintergedanken“, während Narzissen
„Selbstsucht“ und Pfingstrosen „Scham“ zum Ausdruck brachten.
Das Buch wurde ein Bestseller, und so gingen Schriftsteller in
anderen Ländern dazu über, eigene Werke zu verfassen. Zuerst hielt
man sich zwar noch mehr oder weniger an Latours Buch, aber bald
schon wurde man immer ungenauer und passte sich zudem den landesüblichen
Usanzen an. So z.B. in England, wo alles weggelassen wurde, was
als „schocking" hätte empfunden werden können.
Endgültig verwirrend wurde es allerdings erst, als die Amerikaner
die Blumensprache entdeckten. Denn da viele der umgangssprachlichen
englischen Pflanzennamen kein Äquivalent im Amerikanischen hatten,
wurde ein und dieselbe Blume im gleichen Buch teils unter mehreren
Bezeichnungen aufgeführt.
Latours „Blumensprache“ gilt deshalb noch heute als jene, die
am häufigsten verwendet wird. Und wir geben Ihnen deshalb gerne
einen Teil davon weiter:
Akelei: Verrücktheit
Anemone: Ergebung, Misstrauen
Aster: Hintergedanken
Bellis (Gänseblümchen): Unschuld
Blumenstrauss: Galante Geste
Erika: Einsamkeit
Farnkraut: Aufrichtigkeit, Träumerei
Flieder: erste Liebesgefühle
Gartennelke: dauerhafte Schönheit
Ginster: Reinlichkeit
Glockenblume (blaue): Beständigkeit
Goldlack: Glanz
Heckenrose: Poesie
Hopfen: Ungerechtigkeit
Hortensie: Du bis kalt
Hyazinthe: Wohlwollen
Immergrün: süsse Erinnerungen
Iris: Nachricht
Jasmin: Liebenswürdigkeit
Kaiserkrone: Macht
Kirschblüte: gute Erziehung
Kirschlorbeer: Treulosigkeit
Klematis: Raffinesse
Kornblume: Zartgefühl
Lavendel: Misstrauen
Levkoje: Würde
Levkoje (hellrote): Du bis eine Göttin
Lilie: Majestät
Lotos: Beredsamkeit
Löwenmaul: Eigendünkel
Maiglöckchen: Rückkehr des Glücks
Malve: Anmut
Margerite: Unschuld
Mistel: Ich überwinde alle Hindernisse
Mohn: Trost
Moosrose: sinnliche Liebe
Myrte: Symbol der Ehe
Narzisse: Selbstsucht
Nelke (rote): reine, tiefe Liebe
Nelke (gelbe): Verachtung
Nelke (weisse): Talent
Orangenblüte: Jungfräulichkeit
Osterglocke: Begierde
Paeonie (Pfingstrose): Scham
Passionsblume: Glaube
Petunie: Überraschung
Primel: Jugend
Ranunkel: Du hast himmlische Reize
Ringelblume: Eifersucht, Verzweiflung
Rittersporn: Oberflächlichkeit
Rose (rote, Einzelrose): Ich liebe Dich
Rose (weisse): Schweigen
Rosenblätter: Ich bin nie aufdringlich
Rosenknospe (weiss): Herz, das die Liebe noch
nicht kennt
Rosmarin: Deine Gegenwart belebt mich
Schneeglöckchen: Liebesglück
Schwertlilie: Botschaft
Sonnenblume: Reichtum
Steinnelke: Feinheit
Stiefmütterchen: Falschheit
Tagetes: Abscheu
Thymian: Tätigkeit
Tuberose: Wollust
Tulpe: Liebeserklärung
Veilchen: Bescheidenheit
Vergissmeinnicht: Vergiss mich nicht
Wildrose: Einfachheit